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Montag, 5. November 2012

Moderner Naturschutz im Land der Maasai

Wie vielerorts in Afrika birgt auch in Kenia das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tourismus und den Interessen der lokalen Bevölkerung ein hohes Konfliktpotential. Ein Positivbeispiel durfte ich kürzlich beim Besuch der Ol Donyo Lodge östlich des Amboseli-Nationalparks am Rande der Chyulu Hills im Süden Kenias kennen lernen. Die Lodge liegt auf der Mbirikani Group Ranch, einem von den lokalen Maasai-Hirten kommunal verwaltetem Gebiet mit Blick auf den Kilimanjaro.
"Starbed" in der Ol Donyo Lodge
Blick auf den Kilimanjaro im ersten Licht des Morgens
Die Ursprünge der Lodge liegen in den späten 1980er Jahren, als der britischstämmige Kenianer Richard Bonham hier einige Cottages baute. Heute ist Bonham „nur“ noch Miteigentümer, nachdem er 2008 Anteile an Great Plains Conservation verkaufte. 1992 gründete Bonham den Maasailand Preservation Trust, um die Natur vor Ort zu bewahren und die Lebensumstände der Maasai zu verbessern.
Richard Bonham und Kollegen mit sichergestellten Drahtschlingen
Teil dieser Stiftung ist der Predator Compensation Fund (PCF), der 2003 auf Mbirikani gegründet und in den Folgejahren auf angrenzende Ranches übertragen wurde. Der Fond garantiert jedem Hirten eine Entschädigungszahlung für jedes von Raubtieren gerissene Stück Vieh. Vor dem Inkrafttreten des Fonds wurden Löwen auf Mbirikani heftig verfolgt. Alleine 2002 wurden hier 24 Exemplare getötet. Seit 2007 dagegen nur noch zwei Stück – und zwar aus Gründen der Selbstverteidigung. Außerdem konnten die jungen Maasai, die Moran, von ihren Ältesten überzeugt werden, dass das Ritual, zum Beweis der Männlichkeit einen Löwen zu speeren, nicht mehr zeitgemäß ist. Als Ersatz wurden die „Maasai Olympics“ ins Leben gerufen. Hier haben die Moran die Möglichkeit, beim Laufen und Speerwerfen ihren Kampfesgeist zu beweisen. Die Löwenbestände in der Region haben sich dank des PCF deutlich erhöht.
Das schlechteste Löwenbild, das ich jemals gemacht habe ;-)
Noch immer sind die Löwen auf Mbirikani scheuer als in vielen Nationalparks – aber umso spannender wird es, doch einen von ihnen zu Gesicht zu bekommen. Häufiger trifft man auf Giraffen, verschiedene Antilopen- und Gazellenarten und natürlich auf Elefanten: Direkt vor der Lodge werden sie von einer Wasserstelle angelockt, welche von wiederaufbereitetem Brauchwasser der Lodge gespeist wird.
Blick von der Lodge aufs Wasserloch
Massai-Giraffe im Abendlicht
Neben dem Predator Compensation Fund fördern die Ol Donyo Lodge und der Maasailand Preservation Trust noch weitere Projekte: Darunter eine Schule, ein Krankenhaus und ein Agrarprojekt, rund eine Autostunde von der Lodge entfernt. Besonders hervorzuheben ist dabei eine kleine Baumschule: In aufgeschnittenen Getränketüten, die in der Lodge als Abfall anfallen, werden Setzlinge einheimischer Akazienarten großgezogen – an Bewohner der Group Ranch werden die Setzlinge kostenlos abgegeben, damit sie z.B. als lebende Hecke zum Schutz der Dörfer angepflanzt und zugleich als nachhaltige Nutz- und Brennholzquelle genutzt werden können.
Junge Akazien werden herangezogen
Regenbogen über den Chyulu Hills

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Safari in Ol Pejeta / Kenia

Eines von Kenias sehenswertesten Schutzgebieten ist das Ol Pejeta Conservancy bei Nanyuki, westlich des Mt Kenya. Bei meinem ersten Besuch 1996 war die Tierdichte noch sehr unspektakulär. Mittlerweile hat sich allerdings viel getan, zumal in den letzten Jahren große, ehemals als Vieh-Ranches genutzte Flächen in den Regionen Laikipia und Samburu in private oder kommunal verwalteten Schutzgebiete verwandelt worden sind, was sich zwangsläufig positiv auf die Tierwelt der ganzen Region auswirkte.


Bei meinem letzten Besuch im Juni 2012 bekamen wir schon auf den wenigen Kilometern vom Park-Gate zum Sweetwaters Tented Camp etliche Elefanten, Giraffen, Zebras und Thomsongazellen zu sehen. Zu den Highlight des nächsten Tages gehörten Nashörner: Mit 88 Exemplaren der scheuen Spitzmaulnashörner ist Ol Pejeta das wichtigste Reservat Afrikas für diese Art. Für ein blindes aus dem Busch gerettetes Nashorn namens Baraka wurde ein Gehege eingerichtet. Besucher dürfen Baraka per Hand mit Zuckerrohr füttern.


Bekannt ist das Reservat außerdem für sein „Chimpanzee Sanctuary“, in dem momentan 42 aus Händen von Schmugglern oder aus schlechter Haltung befreite Schimpansen in großen Freigehegen ein möglichst natürliches Leben führen können.


Während unserer Pirschfahrt hatten wir auch das Glück, einen der rund 30 Geparden, die auf Ol Pejeta leben, zu beobachten. Die Löwen entzogen sich leider unseren Blicken und hielten sich im dichten Busch versteckt.


Den absoluten Höhepunkt erlebten wir allerdings am letzten Tag, als wir mit vollgepacktem Wagen wieder auf dem Weg zum Parkausgang waren: Nur einige Minuten vom Camp entfernt kreuzte ein Rudel Afrikanischer Wildhunde unseren Weg. Aufgrund von Tollwut, Staupe und erbitterter Verfolgung durch den Menschen ist der Afrikanische Wildhund das seltenste Raubtier Afrikas.  In den letzten Jahren wurden immer öfter Wildhunde auf Ol Pejeta gesichtet – nachdem Anfang 2012 neun Welpen geworfen wurden, hat sich das Rudel hier nun endgültig niedergelassen. Und endlich bekam ich nach 10 Keniareisen einmal selbst die seltenen Tiere zu Gesicht!